Paso Canoas – ein typisch verrückter Grenzübergang in Mittelamerika

Nach so langer Zeit im wunderschönen Süden Costas Ricas, war Paso Canoas wohl einer der Orte, die wir mit am meisten besucht haben. Leider lag das aber nicht an der Schönheit des wuseligen Ortes an Panamas Grenze.

Paso Canoas – ein typisch verrückter Grenzübergang in Mittelamerika 

Ganz im Gegenteil, alle drei Monate waren wir gezwungen auszureisen und auch die günstigeren Preise an der Grenze machen einen Ausflug lohnenswert.

Paso Canoas ist ein verrückter Ort und gleichzeitig ein typisch chaotischer mittelamerikanischer Grenzübergang – der Verkehr geht kreuz und quer, die Lastwagen stehen meilenweit Schlange und zwischendrin wird absolut alles verkauft, was man sich je vorstellen könnte.

Dazu ist es stickig und staubig und meistens ziemlich heiß – man ist also heilfroh, wenn man hier so schnell wie möglich wieder wegfahren kann. Interessant ist es aber dennoch das verrückte Treiben zu beobachten.

Nach Paso Canoas gelangt man, wenn man der Interamericana an der Pazifikküste bis an ihr Ende in Costa Rica folgt. Neben einem der Grenzübergänge zum benachbarten Panama, gibt es hier auch die Möglichkeit zu panamaischen Preisen einzukaufen.

Und so zieht es Leute aus dem ganzen Land hierher, sogar mit organisierten Busreisen aus der acht Stunden entfernten Hauptstadt San José. Sie kommen einzig und allein, um günstige Waren zu kaufen, denn die Preise in Costa Rica sind nicht einmal annähernd vergleichbar.

Vor allem suchen sie nach Elektroartikeln, die in Panama keiner Importsteuer unterliegen, und riskieren dafür sogar, in eine der vielen Polizeikontrollen zu geraten, in denen ihnen problemlos alles gerade gekaufte abgenommen werden kann, denn der Kauf der panamaischen Artikel ist illegal.

So nimmt man also große Koffer mit, lässt Kartons und Etiketten zurück, verstaut alles möglichst außerhalb der Sichtweite neugieriger Augen und hofft, dass die Polizisten nicht genauer hinschauen wollen.

 

Einkaufen

Unzählige Geschäfte reihen sich rund um den Hauptverkehrsknotenpunkt aneinander – man betritt sie in Costa Rica, kann sie aber in Panama wieder verlassen und wandert so ganz unbeschwert zwischen beiden Ländern hin und her.

Neben unzähligen kleinen Geschäften, in denen die unterschiedlichsten Dinge gekauft werden können, gibt es die typischen Stände mit gefälschten Waren, etliche Werkstätten und vor allem zwei kleine Einkaufszentren – die City Mall und die Jerusalem Mall.
 

Direkt auf der Grenze zu Panama - die City Mall in Paso Canoas

Direkt auf der Grenze zu Panama – die City Mall in Paso Canoas

 
Neben Lebensmitteln gibt es dort vor allem auch Kleidung und Elektroartikel. Wer aber erwartet ein Schnäppchen zu machen, hat sich meist geirrt, denn trotzdem es günstiger sein mag als in Costa Rica, sind die Preise doch größtenteils auf europäischem Niveau.

Wirklich sparen kann man in Paso Canoas besonders bei Haushaltsartikeln, Autoreparaturen und Alkohol, aber auch Lebensmittel sind oft günstiger als in Costa Rica.

Auch für uns war es einmal im Monat soweit, dass die Lebensmittelvorräte dem Ende zugingen und wir uns wieder über den staubigen Holperweg aufmachen mussten, ins etwa anderthalb Stunden von Zancudo entfernte Paso Canoas.

 

„Einkaufen in Paso Canoas ist zwar nicht ganz legal, aber dafür sehr beliebt.“

 

Gewappnet mit einer langen Liste, Tüten und kleinen Versteckmöglichkeiten machten wir uns auf den direkten Weg zur City Mall, denn dort gibt es alles unter einem Dach.

Ein kurzer Besuch bei der Bank und ein obligatorischer Stopp im Duty Free Shop, um die Alkoholreserven wieder aufzustocken, und wir waren so schnell es ging auch wieder weg.

Von der Polizei kontrolliert, wurden wir nur zwei Mal und beide Male hatten wir Glück, dass es bereits dunkel war und sie nur unsere Pässe sehen wollten. Man sollte aber immer darauf gefasst sein und den Einkauf am besten so gut es geht verstecken, denn wenn man Pech hat, nehmen sie einem alles ab.

 

Restaurants

Wenn es doch mal ein wenig länger dauert oder man warten muss, bis man wieder in Costa Rica einreisen kann, gibt es nur wenige nette Orte, in die man sich in Paso Canoas zurückziehen kann.

Eine beliebte Wahl sind immer Burger King oder McDonalds, denn zumindest ist es kühl und man kann gut sitzen.

Es gibt aber auch ein wirklich nettes Restaurant mit gutem Essen, welches sich auf der rechten Seite befindet, wenn man das Dorf in Richtung Süden, nach Conte, Pavones oder Zancudo, verlässt.

Das Los Maderos befindet sich direkt neben einem neu eröffneten Hotel und bietet gute costa-ricanische Gerichte zu normalen Preisen an.

 

Über die Grenze nach Panama

Auszureisen ist in Costa Rica immer ein Erlebnis.

Das normale Visum, das man als Tourist erhält, beläuft sich auf 90 Tage.

Trifft man aber auf einen schlecht gelaunten Grenzbeamten, kann sich das auch ganz schnell mal auf 60 oder 30 Tage reduzieren – oder auch auf jede andere beliebige Zahl, je nachdem wonach ihnen gerade zumute ist, denn die Anzahl der Tage wird per Hand im Pass eingetragen.

Nach der eingetragenen Zeit muss man zwar das Land verlassen, kann dann aber auch recht unproblematisch wieder einreisen.

Wichtig ist es immer ein Ticket zur Weiterreise vorzuweisen, ob dies dann mit dem Bus oder dem Flugzeug geschieht, spielt keine Rolle.

Sollte man kein Ticket haben, kann man auf den Service einiger Airlines zurückgreifen, die inzwischen die Möglichkeit bieten einen Flug auf bestimmte Zeit kostenfrei zu reservieren und diesen anschließend wieder zu stornieren.

Aber auch mit ein paar Kenntnissen in der digitalen Textbearbeitung kann einem hier einfach geholfen sein, wenn man sich denn auf das Risiko einlassen möchte.

Sollte aber doch einmal etwas schief gehen, wird man schlimmstenfalls gebeten ein Ticket zu kaufen, was man bei den Busunternehmen vor Ort zu erschwinglichen Preisen erhält.

 

„Die Dauer des Touristenvisums ist abhängig vom Grenzbeamten.“

 

Auf der costa-ricanischen Seite gibt es ein Gebäude an der Hauptstraße, in dem sowohl die Einreise als auch die Ausreise abgefertigt wird.

Reist man aus Costa Rica aus, muss man zunächst am Kassenschalter eine Gebühr von 7$ zahlen, bevor man sich in die Schlange für den Ausreisestempel einreihen kann.

Sobald man ausgestempelt ist, folgt man nun der Hauptstraße für zwei Minuten zu Fuß bis zu einer großen Überdachung, unter der sich die Busse und andere Fahrzeuge für ihre Einreise nach Panama aufreihen.

Hier befindet sich auch der Schalter, an dem man sich in Panama ein- und ausstempeln kann.

Für die Einreise in Panama muss man neben dem Weiterreiseticket auch 500$ in bar vorweisen und in vielen Fällen wird auch tatsächlich danach gefragt.
 

Unter dieser Überdachung in Paso Canoas befindet sich der Grenzübergang von Panama

Unter dieser Überdachung in Paso Canoas befindet sich der Grenzübergang von Panama

 
In Panama bekommt man dann sogar ein Visum für sechs Monate. Möchte man allerdings wieder zurück nach Costa Rica einreisen, galt dafür bisher immer ein Richtwert von drei Tagen, für die man das Land verlassen musste.

Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich einfach daran halten und diese zum Beispiel in Boquete oder Bocas del Toro verbringen, die beide recht unkompliziert von Paso Canoas erreichbar sind.

Inzwischen ist es allerdings auch möglich das ganze innerhalb von einem Tag zu erledigen, was auch wir und viele andere so getan haben.

Möchte man dies tun, stempelt man sich am Morgen in Costa Rica aus und in Panama ein, wartet bis zum Schichtwechsel der Grenzbeamten in Panama, der am Nachmittag zwischen 15 und 16 Uhr stattfindet, und kann sich dann wieder aus Panama ausstempeln und zurück nach Costa Rica einreisen.

Während der Zeit kann man seine Einkäufe erledigen oder die kühle Luft bei McDonalds genießen und bald soll sogar ein Kino gebaut werden, was perfekt wäre, um ein wenig Zeit totzuschlagen.

Für die Einreise nach Costa Rica fallen dann keine Gebühren mehr an und man kann direkt an den Schalter. Hier muss man lediglich sein Weiterreiseticket vorzeigen, kontrollieren ob man auch 90 Tage bekommen hat und dann ist auch endlich alles geschafft.

 

Mit dem Auto über die Grenze

Das eigene Auto mit über die Grenze zu nehmen, birgt wiederum ganz andere Herausforderungen.

Möglich ist dies auch nur mit dem eigenen, auf sich selbst angemeldeten Fahrzeug. Um mit diesem die Grenze zu passieren, fängt man am besten rechtzeitig mit den Vorbereitungen an.

Denn zunächst muss man sicherstellen, dass auch wirklich alle Papiere absolut korrekt und im eigenen Namen ausgestellt sind und zusätzlich benötigt man eine Genehmigung des Registro Nacional, um das Auto überhaupt aus dem Land bringen zu dürfen.

Das Registro Nacional hat nur wenige Büros, zu denen man persönlich gehen muss, um die Genehmigung einzuholen.

Wichtig dafür ist ein gültiger Reisepass, die bezahlte Jahresgebühr für die Autoversicherung und eine Bestätigung des Ministeriums, dass das Auto auf den eigenen Namen läuft. Zahlen muss man 8000 Colones (etwa 14€).

Sobald man die Genehmigung erhalten hat, darf man das Auto innerhalb der nächsten 22 Tage für unbegrenzte Zeit über die Grenze bringen.

 

„Das eigene Auto über die Grenze zu bringen bedarf reichlich Geduld und Ausdauer.“

 

Hat man also alle Papiere, geht der eigentliche Wahnsinn erst richtig los.

Um mit dem Auto tatsächlich auszureisen, muss man sich zunächst selbst aus Costa Rica ausstempeln, bevor man dann an einem separaten Schalter des Ministerio de Transporte (Verkehrsministerium) die Ausreisepapiere für das Auto authentifizieren lässt.

Anschließend wird das Auto einer kurzen Prüfung unterzogen und wird dabei nichts bemängelt, darf man das Land verlassen.

Aber auch in Panama hat man mehrere Stationen.

Zuerst benötigt man eine Versicherung, die kurz hinter der Grenze an einem kleinen Fenster mit der Aufschrift Seguros gekauft werden kann. Diese ist 30 Tage gültig und kostet 20$.

Der nächste Schritt ist das Ministerio de Transporte in Panama, um die Versicherung als gültig erklären zu lassen. Deren Büro befindet sich im ersten Stock gegenüber der Passkontrolle von Panama.

Als nächstes begibt man sich zu einem separaten Zollschalter für Fahrzeuge und lässt eine Kontrolle des Autos und der mitgeführten Gepäckstücke durchführen. Erst dann holt man sich den Stempel, um selbst nach Panama einreisen zu können.

Bevor man sich nun aber endlich endgültig auf den Weg machen darf, wird das Auto abgespritzt, wofür man 1$ zahlt und sich in einem weiteren Gebäude direkt gegenüber melden muss.

Erst jetzt ist endlich alles überstanden und man kann nach Lust und Laune Panama erkunden.
 

Hast du auch schon einmal den Wahnsinn an einer mittelamerikanischen Grenze miterlebt? Wie war das Erlebnis für dich?

Hier findest du weitere Reiseberichte über Panama

 

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