Natur pur und vergangene Zeiten – die Ruinen von Quilmes

An einem sonnigen und ziemlich heißen Tag führte unser Weg von Tafí del Valle nach Cafayate. Heute standen einige Highlights auf dem Plan, denn immerhin hatten wir vom Besitzer unserer Unterkunft ein handgezeichnetes A4-Blatt bekommen, auf dem er uns in feinstem Detail die Route mit jedem noch so kleinen Stopp liebevoll eingezeichnet hatte.

Bei so viel Liebe zur Region wollten wir natürlich auch so viel wie möglich sehen. Und so geschah es, dass wir erst nachdem wir uns die frische Brise auf dem Infiernillo Pass um die Nase blasen ließen, die Molinas von Santa Maria besuchten und eine erfrischende Abkühlung im Wasserfall von Amaicha genossen (El Remate), am späten Nachmittag nach einer langen Fahrt durch die heiße Kakteenlandschaft in Quilmes eintrafen.

Ruinen von Quilmes im Norden von Argentinien, Ruta 40, Cafayate
Blick von oben auf die Ruinen von Quilmes

Doch hier wartete auf jeden Fall das Highlight des Tages auf uns, denn die „Ciudad Sagrada de los Quilmes“ zählt zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Argentiniens und der Besuch macht auch noch Spaß. Wenn du nicht ohnehin in der Gegend bist, ist Quilmes sicher nicht der Ort, den du extra ansteuern würdest, doch da du auf deinem Weg von Tafí del Valle nach Cafayate ganz automatisch an den Ruinen von Quilmes vorbeikommst, solltest du dir einen Besuch keinesfalls entgehen lassen.

Ein kurzer Einblick in die Geschichte von Quilmes

Aber was ist Quilmes überhaupt?

Klar, hier liegen ein paar alte Steine und man kann kreuz und quer in den Ruinen durch die hügelige Kakteenlandschaft streifen und die herrliche Aussicht genießen, doch ist das wirklich so besonders? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich dir gern einen kurzen Einblick in die Geschichte von Quilmes geben.

Das friedliche Volk der Quilmes bestand aus Jägern, Farmern und Künstlern als es im 10. Jahrhundert auf dieses Stück Land traf und hier einen fruchtbaren und geschützten Zufluchtsort fand, den es im Laufe der Jahre zu einer komplexen Siedlung mit ca. 5000 Einwohnern ausbaute.

Doch nicht immer hatten es die Quilmes leicht und so mussten sie ihrer Natur widersprechend schnell lernen sich und ihr Land zu verteidigen. Lange Zeit kämpften sie erfolgreich gegen andere Völker wie die Inkas, doch im 17. Jahrhundert konnten sie den Spaniern schließlich nicht mehr standhalten. Die wenigen nach den vielen Kämpfen noch übrigen Quilmes wurden auf langen, kräftezehrenden Fußmärschen von mehr als 1.200 km nach Buenos Aires verschleppt, den viele von ihnen nicht überlebten. Die Stadt der Quilmes verfiel.

Bis heute ist der Stadtteil von Buenos Aires, in dem die wenigen überlebenden Quilmes damals ankamen, nach ihnen benannt. Hier war es auch, wo ein weiterer Zuwanderer der Gegend (der deutsche Otto Bemberg) die heute kommerziell erfolgreichste Brauerei Argentiniens gründete und sein Bier Quilmes nannte – ob er sich dabei der Geschichte des Stammes bewusst war oder nur auf den naheliegenden Ortsnamen zurückgriff, bleibt wohl sein Geheimnis. 

Ruinen von Quilmes im Norden von Argentinien, Ruta 40, Cafayate
Ein Streifzug durch die alten Mauern

In der ursprünglichen Heimat der Quilmes sind inzwischen zwar nur noch die Grundmauern übrig, doch der Stamm konnte sein Eigentum zurückfordern, ein Teil der Ruinen wurde restauriert und es entstand eine wirklich nette Anlage, in der du in einem ganz neu entstandenen Museum viel über das Leben der Quilmes lernen und auf einigen Spazierwegen sogar selbst in die Geschichte der Quilmes eintauchen kannst.

Was gibt es in Quilmes zu sehen?

Dass du kreuz und quer in den Ruinen durch die Landschaft streifen und die herrliche Aussicht genießen kannst, hatte ich ja bereits verraten. Besonders toll ist es auch die Berghänge zu erklimmen, denn von dort oben hast du nicht nur eine traumhafte Aussicht auf die Ruinen, sondern auch auf die herrliche, von Kakteen gesäumte Berglandschaft in der Umgebung.

Bevor du deine Erkundungstour startest, empfiehlt es sich mit dem brandneuen Museum zu beginnen, denn so kannst du die Ruinen und ihre Geschichte besser verstehen und deiner Fantasie freien Lauf lassen. Im Museum gibt es auch einen netten Kurzfilm, der dir einen guten Überblick gibt.

Nach der angenehmen Abkühlung im Museum geht es nun aber zurück ins Freie und du kannst dich entscheiden, ob du dich von einem Guide durch die Ruinen führen lassen oder auf eigene Faust in die Geschichte eintauchen möchtest.

Der Guide ist in der Regel ein Nachfahre des Quilmes-Stammes und erzählt dir nicht nur wie die Gebäude angelegt waren und die Gemeinschaft funktionierte, sondern gibt dir auch einen Einblick in ihren Kampf um die Zurückgewinnung des Landes und ihre zukünftigen Pläne.

Wir waren auf eigene Faust unterwegs und haben es sehr genossen. Auf verschiedenen Spazierwegen kannst du mitten durch die Ruinen spazieren, oder auch den Schildern zu den damaligen Aussichts- und Abwehrtürmen folgen, die dir den besten Ausblick bieten. Von hier oben kannst du sogar einmal um die gesamte Anlage spazieren und dir immer wieder ruhige Plätze zum Innehalten und Träumen suchen.

Plane für deinen Besuch circa 2 Stunden ein, wenn du die Anlage ausgiebig erkunden möchtest.

Schützend in den Hang gebaut

Wie komme ich zu den Ruinen von Quilmes?

Die Ruinen von Quilmes findest du versteckt zwischen einem riesigen Meer an Kakteen in der Provinz Tucumán im Nordwesten von Argentinien. Die nächsten Orte sind Amaicha del Valle und das etwas größere Santa María del Yocavil, doch üblicherweise kommst du an Quilmes vorbei, wenn du über die Ruta 40 nach Cafayate oder Tafi del Valle fährst.

Auf einer langen Geraden mitten in der wüstenähnlichen Landschaft, führt dich ein Hinweisschild auf einen Schotterweg, über den du in knapp 10 Minuten den Eingang zu den Ruinen von Quilmes erreichst. Hier ist ein großer Parkplatz und auch der Eingang zum Museum und zu den Ruinen.

Während Quilmes mit dem eigenen Auto ganz einfach zu erreichen ist, wird es mit dem Bus schon zur Herausforderung. Es gibt kleine Busse, die dich an der Abzweigung zu den Ruinen herauslassen. Von hier sind es noch 4,5 km zu Fuß, es sei denn du hast Glück und jemand nimmt dich mit. Die besten Möglichkeiten einen Bus zu erwischen, hast du von Amaicha del Valle, doch informiere dich am besten über mögliche Verbindungen, sobald du in einem der größeren Orte in der Nähe bist.

Andere Reisende haben mit wechselnder Begeisterung von der Busfirma Aconquija berichtet, die diese Route anbietet. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit ein Sammeltaxi von Amaicha del Valle oder Santa María zu nehmen (remise), bei denen du dir aber einen guten Preis inklusive Wartezeit aushandeln solltest.

Geführte Touren nach Quilmes werden natürlich auch angeboten, falls das eher etwas für dich ist.

Was sollte ich für meinen Besuch in Quilmes sonst noch wissen?

Die Ruinen von Quilmes kannst du täglich von 8:00 bis 18:00 Uhr besuchen.

Als wir im März 2019 hier waren, kostete der Einritt 100 Peso pro Person. Aufgrund der instabilen Währung kann sich dies aber schnell wieder ändern. Im Eintritt ist allerdings alles enthalten – du kannst das Museum besuchen, die Ruinen erkunden und auch für den Parkplatz muss nicht extra gezahlt werden.

Neben dem Museum gibt es sanitäre Anlagen und du kannst auch kühle Getränke kaufen oder an kleinen Souvenirständen nach ein paar Andenken stöbern.

Eine offizielle Webseite gibt es (bisher) nicht, allerdings wird für die Ciudad Sagrada De Quilmes eine Facebook-Seite gepflegt, auf der du eventuell ein paar Informationen finden kannst.

Wichtig ist, dass du dich für deinen Besuch in Quilmes mit ausreichend Wasser und auch Sonnenschutz ausrüstet, denn auf den steilen Berghängen bist du der Sonne gnadenlos ausgeliefert.

Nun wünsche ich dir aber viel Spaß bei deiner Erkundung der Ruinen!
Schreib mir einfach, wenn du eine Frage haben solltest und teile gern deine Erlebnisse vom Besuch in den Kommentaren – ich bin schon sehr gespannt!

Hier findest du noch mehr Tipps für deine Argentinien Reise

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Die Ruinen von Quilmes im Norden von Argentinien: ein Blick in die Vergangenheit - hier findest du alle Informationen für deinen Besuch

Reiseführer Tipp: Der Lonely Planet Argentinien

Der Lonely Planet Reiseführer für Argentinien hat uns auf unserer Reise durch den Norden begleitet

Wir haben diesmal tatsächlich auf den altbewährten Lonely Planet zurückgegriffen, denn der war gerade frisch erschienen. Er hat zwar eine nette Übersicht für die meisten Regionen, aber in vielen der Gegenden im Norden von Argentinien fehlt es ihm an Detail – wahrscheinlich ist das auch gut so, denn viele Touristen sind noch nicht unterwegs, was die Reise noch zu einem wahren Abenteuer macht.
>>Hier geht es zum Reiseführer…

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